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29.08.2014

Anschreiben von Frau Dr. Lorenz an die Wahlkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien

Potsdam, den 29.08.2014

576 Apotheken versorgen tagtäglich vor Ort die Bürgerinnen und Bürger mit Arzneimitteln im Land Brandenburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Wahl zum 6. Brandenburger Landtag steht in Kürze bevor. Als Wahlkandidatin bzw. Wahlkandidat Ihrer Partei sind Sie sicherlich bereits oftmals um politische Antworten und Positionen zu drängenden Fragen und Problemen gebeten worden. Mit diesem Schreiben möchten wir vom Apothekerverband Brandenburg e.V. nicht um eine Stellungnahme zu apothekenrelevanten Themen bitten, sondern unseren Auftrag und damit auch unsere Arbeit beleuchten: Die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen.

Die Apothekerinnen und Apotheker leisten jeden Tag ihren Beitrag zu einer hochwertigen und sicheren Arzneimittelversorgung und meistern zu jeder Zeit für Patienten und Kunden vor Ort die Herausforderungen des Gesundheitswesens. Die heilberufliche Rolle der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in der öffentlichen Apotheke ist eine qualifizierte Stütze unseres Gesundheitssystems. Als Heilberufler sind die Apothekerinnen und Apotheker dem Gemeinwohl verpflichtet und gewährleisten das Wohlergehen und den Schutz der Bevölkerung im Umgang mit Arzneimitteln. Um diese Rolle aktiv und effektiv ausüben zu können, sind auch entsprechende Rahmenbedingungen unabdingbar, die die zukunftsorientierte apothekerliche Berufsausübung fördern.

Dazu gehört die Forderung nach wirtschaftlicher Stabilität, damit planungssicher die Angebote und Leistungen der Apotheken vor Ort entwickelt und gesichert werden können. Nicht nur die allgemeinen Betriebskosten einer Apotheke sind gestiegen, sondern auch der Beratungsbedarf der Patienten. Allerdings ist nicht vorrangig der Beratungsaufwand um das Medikament gestiegen, sondern die Bedingungen der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Patienten sind immer komplizierter geworden. Die zahlreichen Vorgaben durch Rabattverträge, die bestimmen, welches Medikament an welchen Versicherten abzugeben sind, führen zu einem größeren Personalbedarf und auch immer häufiger, bei Nichtabgabe, zu sogenannten Null-Retaxationen in den Apotheken.

Null-Retaxationen:
Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts und der Ablehnung, eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht in dieser Frage zuzulassen, verweigern die Gesetzlichen Krankenkassen eine Einigung im Rahmen der Selbstverwaltung. Null-Retaxationen stehen dabei für ein Verfahren der GKV, ein verschriebenes Arzneimittel zur Gänze nicht zu erstatten, wenn das Rezept einen formalen Fehler aufweist oder nicht das richtige Rabatt- oder Reimportarzneimittel abgegeben wurde. Allerdings ist hierbei darauf hinzuweisen, dass der Patient auf jeden Fall mit einem korrekten Arzneimittel versorgt wurde, nur nicht mit dem, das die jeweilige Krankenkasse vorgibt. Eine gütliche Einigung, wenigstens den Einkaufspreis für das abgegeben Medikament zu erstatten, lehnen die Vertreter der GKV partout ab und behalten nicht nur das vorgesehene Beratungshonorar des Apothekers, sondern auch den Warenwert des Medikamentes als „Strafe" ein. Damit trägt der Apotheker zu 100 Prozent die Kosten für die Arzneimittelversorgung des Patienten.

Mehr Arzneimittel mit Zuzahlung und Mehrkosten:
Die sogenannten Festbetragsgrenzen sind staatlich festgelegte Obergrenzen, bis zu denen die Krankenkassen den Preis für Arzneimittel übernehmen. Bisher führte ein Absenken dieser Obergrenzen dazu, dass die Arzneimittelhersteller darauf mit einer Preisanpassung auf bzw. unter diese Festbetragsgrenze reagierten. Zum 1. Juli 2014 sind viele Festbeträge für verschreibungspflichtige Medikamente abgesenkt worden, doch nicht alle Hersteller zogen mit einer Preisanpassung nach. Die Folge ist, dass viele Patienten nun zu ihrem Medikament außer der Zuzahlung noch eine Mehrzahlung leisten müssen. Die Mehrkosten ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Arzneimittelpreis des Herstellers und dem Erstattungspreis der Krankenkasse. Selbst Kinder und von der Rezeptgebühr befreite Patienten müssen diese Mehrzahlung selber tragen.

Obwohl die Apotheker auf diese Preisgestaltung keinen Einfluss haben, sind sie doch gefordert, Aufklärung und Beratung zu diesem Inkasso für die GKV zu leisten.

Ohne die ausgiebige Beratung und den zusätzlichen Aufwand in den Apotheken wäre der große Erfolg, den sich die Gesetzlichen Krankenkassen zuschreiben - mit Stellschrauben eine Kosteneindämmung im Arzneimittelbereich erreicht zu haben - nicht möglich und umsetzbar gewesen. Die Mehrbelastungen und zusätzlichen Inkassoleistungen in den Apotheken werden von den Krankenkassen in keiner Weise anerkannt und honoriert. Dies ist zukünftig nicht mehr hinnehmbar und akzeptabel.

Dynamisierung des Apotheken-Honorars:
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gestiegene Anforderungen der Arzneimittelversorgung erfordern das Honorar der Apotheker in regelmäßigen Abständen auf den Prüfstand zu stellen, zu dynamisieren und somit an die Kostenentwicklungen anzupassen. Planungssicherheit, Ausbau und Entwicklung einer patientenorientierten Arzneimittelversorgung - auch und gerade im ländlichen Raum - bleibt sonst immer ein Wagnis und behindert letztlich tragfähige, an die demographische Bevölkerungsprognose angepasste Entwicklungen.

Diese Themen betreffen - nicht nur im föderalen Sinne - die Politik im Land Brandenburg. Als Flächenland mit regional unterschiedlichen Strukturen ist eine funktionierende, sichere Arzneimittelversorgung auch eine perspektivische Aufgabe. Aus diesem Grund möchten wir gerne zu den ausgeführten und weiteren Themen in einen Gedankenaustausch mit Ihnen treten. Sprechen Sie uns an - auch im Interesse Ihrer Wähler.

Mit freundlichen Grüßen

APOTHEKERVERBAND BRANDENBURG e.V.
Dr. Andrea Lorenz

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