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"Der Wert des Arzneimittels - vom leichtfertigen Umgang mit einem hohen Gut"

Ein Plädoyer von Professor Dr. Theo Dingermann, auf der Pharmacon in Meran (3. - 8. Juni 2012), den Wert der Arzneimittel nicht zu bagatellisieren und ein Appell gegen die Geringschätzung der Leistungen der inhabergeführten Apotheke bei der sicheren Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.
In seinem Vortrag beim 50. Internationalen Fortbildungskurs für praktische und wissenschaftliche Pharmazie der Bundesapothekerkammer, kritisierte Professor Dr. Dingermann, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer und ehemaliger Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, dass das besondere Gut Arzneimittel immer mehr bagatellisiert und zum „Ramschobjekt" gemacht werde.

Die Erforschung und Entwicklung von Arzneimittel führte in den vergangen hundert Jahren zu einer Erfolgsgeschichte der Medizin: In der westlichen Welt ist die Säuglingssterblichkeit um 80 Prozent gesunken und gleichzeitig stieg die Lebenserwartung, um bis zu dreißig zusätzliche Jahre, stetig an. „Wie kann man mit solchen Erfolgen experimentieren?" fragte Professor Dingermann und kritisierte, dass die Gesundheitspolitik nur noch von „Kostendämpfung" geprägt sei. Besonders fragwürdig sei dabei, dass die Politik ihr besonderes Augenmerk vor allem auf den Ausgabenbereich der Arzneimittel gelegt habe, obwohl dieser nur 18 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen ausmacht.

Arzneimittel nur als Kostenfaktor zu bewerten, trotz ihrer immensen Erfolge bei der Bekämpfung von Krankheiten und der Steigerung von Lebensqualität, zeuge von einer Geringschätzung, die weder dem besonderen Gut Arzneimittel, noch der Leistung der Apotheken, die Bevölkerung sicher und ordnungsgemäß mit Arzneimittel zu versorgen, gerecht werde. Denn Arzneimittel eigneten sich nicht für den Wettbewerb und sollten nicht dazu degradiert werden „um Leute in den Laden zu locken". Aber gerade die Zulassung des Versandhandels habe dazu geführt, dass Arzneimittel „auf den bunten Flyern des Versandhandels" zum Schnäppchen im Internet geworden sind.

Dieses Anpreisen von Arzneimitteln hin zum Schnäppchen bagatellisieren die erheblichen Gefahren, die von Arzneimitteln ausgehen können. So sind unerwünschte Arzneimittelwechselwirkungen für 15 Prozent der Krankenhauseinweisungen in den USA verantwortlich und in Deutschland sterben pro Jahr etwa 17.000 Menschen an Komplikationen, verursacht durch Arzneimittel.

„Völlig verkannt wurde das kriminelle Potenzial, das durch die Liberalisierung geweckt wurde", so Dingermann, denn der Internethandel mit Arzneimitteln sei zum Einfallstor für Arzneimittel minderer Qualität und Fälschungen geworden. Der Konsequenzen dieser Experimente mit der Arzneimittelversorgung sei sich die Politik bis heute nicht klar.

Dingermann appellierte eindringlich, diese Auswüchse und Entwicklungen zu stoppen und zurückzukehren zu einer bewährten, sicheren und ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung, wo die „Potentiale [des Arzneimittels] im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig sind".
(Quelle: Apotheker Zeitung, Nr. 24, 11.06.2012)

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